Unsere "Werkzeuge"

Eine kurze Darstellung und
Dokumentation für den Anfängergeist.

Um als Friedensstifter zu wirken, verwenden wir verschiedene Methoden und "Werkzeuge", von denen wir hier die wichtigsten darstellen möchten.

Kreis des tiefen Zuhörens

Das Kreisgespräch (siehe auch Council, The Ojai Foundation) ist eine Methode der Kommunikation in Gruppen, welche als Kernessenz „aus dem Herzen sprechen und mit dem Herzen hören“ in sich trägt. In den ZenPeacemaker-Kreisen findet das Kreisgespräch regelmäßig in Retreats Verwendung, ebenso aber auch bei den Tagen der Reflektion in der Gruppe, in Supportgruppen und Meetings der Arbeitsgruppen.

Die sechs Grundregeln für den Kreis des tiefen Zuhörens

Gewaltfreie Transformierende Kommunikation (NVC, GFK)

Unsere Kommunikationssprache im Alltag ist zumeist voll mit unbewussten Gewaltansätzen, Forderungen, Projektionen, Zuschreibungen, Kränkungen und Verletzungen. Da wir mit ihnen heranwuchsen und sie als normal / üblich gelten sind wir uns oft dessen nicht bewusst und vermögen daher auch schlecht anders hiermit umzugehen. Einige der neueren Therapieformen (Gestalttherapie, systemische Familientherapie u.a.) begannen schon vor 40 Jahren, diese Kommunikationsstrukturen aufzubrechen und Menschen zu befähigen, gewaltfreier zu kommunizieren - allerdings nur innerhalb eines therapeutischen Prozesses.

Bild: Marshall Rosenberg mit Schakal in seiner rechten und Giraffe in seiner linken Hand. Der Schakal in uns denkt in Gut/Schlecht, in Richtig/Falsch. Auf seine Feindbilder reagiert er zwanghaft mit Kampf, Unterwerfung oder Flucht. Er beschuldigt und bestraft andere oder sich selber. Er hängt vergangener Geschehnisse nach und träumt von zukünftigen Ereignissen. Der Giraffe in uns steht in einem lebensdienlichen Dialog und ist in einer verständnisvollen mitfühlenden Partnerschaft. Ihr zeitlicher Focus ist die lebendige Gegenwart.

Marshall Rosenberg, ein Schüler von Carl Rogers, entwickelte einen Lernweg der Gewaltfreien Kommunikation und unterrichtet diesen nunmehr weltweit in Seminaren. Wichte Schritte dazu sind: Wir wollen uns und unser Gegenüber ganzheitlich erfahren. Dazu blicken wir hinter die Oberfläche alltäglicher Schutz-Reaktion auf unser tiefgründiges Verletzt-Sein. Oft sind wir dermassen von einer Idee befangen, eine solche Illusion verhindert den Zugang zum lebendigen Gegenwärtigen. Die Kunst besteht darin sich nicht auf eine Provokation von unseren inneren Zwängen einzulassen (also keinen Gegner zum Kämpfen und Besiegen erdenken), sondern dem Gespräch (NVC, The Center for Nonviolent Communication), der Bewegung (AiKi), der Stille (ZEN) freien Raum zu geben.

NCV-Werkzeug:

  1. Beobachte das Geschehen ohne zu bewerten. "Sobald Du Dich mit dem Guten und dem Schlechten Deiner Lebensgenossen beschäftigst öffnest Du Dein Herz für Bosheit. Andere testen, mit ihnen in Konkurrenz treten oder sie kritisieren, schwächt Dich bis zur Niederlage. Der wahre Sieg ist der Sieg über sich Selbst." Morihei Ueshiba, Gründer von AiKiDo
  2. Benenne was du jetzt fühlst und zeige dich verletzbar, ohne einen Hauch von Urteil, Kritik, Schuld oder Strafe.
  3. Verbinde dich mit den universellen Bedürfnissen (wie Lebensunterhalt, Vertrauen, Verständnis).
    Höre dabei empathisch zu das heisst sei präsent, fokussiert, aber auch weiträumig und reflektierend.
    Keine Analyse oder Wundpflaster.
  4. Bitte um das, was du für deine Lebendigkeit brauchst.
    Forderungen verleugnen Willen und Verantwortung aus Angst oder Schuld.
  5. Das Leben feiern in Dankbarkeit: Welche Handlung hat dich lebendiger gemacht?

Die fünf Buddha-Familien

Das Universum und sein Zusammenwirken lässt sich anhand von verschiedenen Modellen anschaulich machen und analysieren - und die meisten großen Kulturen, Religionen und auch die Naturwissenschaften arbeiten mit dem einen oder anderen Modell. Im Judentum ist es z.B. der Lebensbaum der Kabbala mit seinen 10 Sephiroth, welcher das Zusammenspiel der universalen Kräfte darstellt. In den Ursprungsländern des Buddhismus ist dies die Anordnung der fünf Elemente und aus der tibetisch-buddhistischen Tradition entstammt die Arbeit mit den sog. Fünf Buddhafamilien "Buddha" (Spiritualität, der Bezug zur Stille), "Vajra" (Training, Klarheit und Intelligenz), "Ratna" (Ressourcen, die Grundlage unseres physischen Seins), "Padma" (Integration, heilt vermeintlich weit zerstreute Teile unseres Lebens zu einem Ganzen) und "Karma" (Soziales Handeln, Einsein mit dem Leben). So spiegelt sich die Arbeit des ZenPeacemaker-Kreise im Lehrwerk, in den Gremien und häufig auch in der Darstellung anhand dieses Mandalas, der fünf Buddhafamilien.

Soziokratie

Der Begriff Soziokratie ist von den Lateinischen und Griechischen Wörtern socius (Begleiter) und kratein (regieren) abgeleitet. Die Gleichberechtigung wird im Unterschied zur Demokratie nicht durch den Grundsatz "Ein Mensch - eine Stimme" verkörpert, sondern durch den Grundsatz, dass eine Entscheidung nur getroffen werden kann, wenn niemand der Anwesenden einen schwerwiegenden und begründeten Einwand dagegen hat.

Soziokratie gibt der Mehrheit in Gruppenentscheidungs-prozessen weniger Macht und dem Einzelnen mehr Macht als die Demokratie. Daher wurde sie von ihren Begründern als der nächste Schritt nach der Demokratie gesehen (siehe auch Global website of the sociocratic centers). Die Erfordernis eines Konsenses macht die Soziokratie (außer in kleinen, homogenen Gruppen) anfällig für politische Lähmungen: ein Einzelner kann mit einem entschlossenen begründeten Einwand jede Entscheidung blockieren. Um dieses Problem zu verringern, wird nicht gefragt, ob jeder zustimmt, sondern ob jemand dagegen ist (was eine psychologische Hürde erzeugt). In einigen Formen der Soziokratie reicht eine bloße Missbilligung des Antrages nicht aus, sondern man muss ein triftiges Argument vorbringen. Soziokratie beruht daher nicht auf dem Konsensprinzip, sondern auf dem Prinzip des Consent (Einverständnis), was bedeutet, dass sich nicht alle Teilnehmer einig sein müssen.

Weitere, sehr wertvolle "Werkzeuge"

"The Work"

"The Work" von Byron Katie: wie schmerzvolle Gedanken und leidvolles Denken dich loslassen. "The Work" ist die vielleicht einfachste und effektivste Art, unseren Verstand zu klären. Ein klarer Verstand klärt unsere Gefühle und öffnet unser Herz. Dann erkennen wir, dass die Welt viel freundlicher ist, als unsere Geschichte, die uns all die Jahre in eine mehr oder weniger leidvolle Trance versetzt hat. Eckhart Tolle schreibt: "Die Grundursache des Leidens ist die Identifikation mit unseren Gedanken, mit den "Geschichten", die ununterbrochen in unserem Verstand ablaufen. Byron Katie's The Work agiert wie ein rasiermesserscharfes Schwert, das diese Illusion durchtrennt und dich befähigt, selbst die zeitlose Essenz deines Seins zu erkennen. Freude, Frieden und Liebe erscheinen daraus als dein natürlicher Zustand." Der Prozess von "The Work" (The Official Site for The Work of Byron Katie, Arbeitspapier zum ausdrucken Judge Your Neighbour., Facilitation Guide. und Buch-Kapitel.):

Big mind Prozess

Der Big mind Prozess von Zen-meister Dennis Genpo Merzel (Zen Buddhist Meditation, Spirituality, Wisdom and Life) ist eine tiefgründige, einfache und effektive universelle Praxis auf jeden spirituellen Weg um die wahre Natur des Selbst zu erkennen. Ein grosser Gewinn für die Gesellschaft als Ganzes wäre wenn jeder einzelne zu seinem wahren Mensch-sein finden würde. (Eine kleiner Ueberblick über den Big Mind Prozess ist hier)

Das wahre Selbst: das "Ueberwinden von Dual und Nicht-Dual". Es gibt Denken und Nichtdenken. Ein und derselbe Mensch denkt oder denkt nicht, wie Wasser, das sich mal bewegt und das mal still ist. Unser Bewusstsein sollte im Idealfall gleichermaßen die Erfahrung des Denkens wie des Nichtdenkens umfassen. Nur stilles Wasser spiegelt die Wirklichkeit wie sie ist, nur in der Stille erkennen wir unser Einssein mit dem Ganzen. Wir können dank des Denkens unterscheiden, dank des Nichtdenkens aber bleiben wir verankert in der sinnlichen Wirklichkeit. Ein Bewusstsein, das weder im Denken noch im Nichtdenken zentriert ist, ist universell. Wäre es zentriert im Nichtdenken, wäre es stumpf und lebensunfähig, zentriert im Denken aber ist es verloren in jene Gegensätzlichkeit, die Sprache ausmacht. Es geht also weder um Denken, noch um Nichtdenken, sondern um ein Bewusstsein des Ganzen, um das geerdet Sein des Denkens in der sinnlichen Wirklichkeit. Solange unser Bewusstsein " verhext ist durch die Mittel der Sprache " (Wittgenstein), solange streben wir nach Glück, Sinnlichkeit, Präsenz, Offenheit usw., ohne jedoch jemals das Gefühl zu haben endgültig angekommen zu sein. Gerhard Walter 8. Dan Aikido